Unsere natürlichen Rollen im Unternehmen

Führung wird in der Geschäftswelt oft als Höhepunkt beruflichen Erfolgs gepriesen. Die Annahme, dass jeder danach streben sollte, eine Führungskraft zu werden, ist tief in der Unternehmenskultur verwurzelt. Aber seien wir ehrlich: Nicht jede(r) ist von Natur aus dazu geeignet, andere zu führen, noch ist diese Art der Führung der einzige Weg zu Erfüllung und Erfolg. Eine authentische Führungskraft zu sein, hat weniger mit dem Management von Prozessen zu tun, sondern vielmehr damit, wie man kommuniziert und eine starke Verbindung zu den Menschen um sich herum aufbaut.


Erfolgreiche Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt leben von der Vielfalt an Fähigkeiten, Charakteren und Rollen. So wie Ökosysteme ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Elementen benötigen, gedeihen Organisationen, wenn Individuen ihre angeborenen Stärken entfalten – sei es als leidenschaftliche Führungspersönlichkeiten, zuverlässige Umsetzer, begabte Gestalter, sorgfältige Analytiker oder etwas anderes.


Dennoch liegt es in der Macht und im Interesse aller, die ein Vorbild sein und vertrauenswürdig und kompetent wirken möchten, einige grundlegende Prinzipien der Selbstführung zu befolgen. Schauen wir uns diese an:


Transparenz und Integrität: Authentische Selbstführung bedeutet ein tiefes Verständnis unserer Stärken und Schwächen, basierend auf ehrlicher Selbstreflexion und regelmäßigem konstruktivem Feedback von Vertrauenspersonen. So können wir unsere inneren Werte mit unserer Einstellung, unseren Entscheidungen und unserem Verhalten in Einklang bringen.


Verantwortung: Die volle Verantwortung für unser Handeln, auch für Fehler, zu übernehmen, ist essenziell für unseren Ruf und unsere Vertrauenswürdigkeit. Offenheit und Verantwortungsbewusstsein zeigen, bedeutet, dass wir uns kontinuierlich verbessern wollen.


Emotionale Intelligenz und Verletzlichkeit: Das Erkennen und Beherrschen unserer eigenen Emotionen sowie die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, sind grundlegend für bedeutungsvolle Beziehungen. Wenn wir Unsicherheiten und Unvollkommenheiten akzeptieren und offen damit umgehen, können andere das nachvollziehen.


Effektive Selbstführung bedeutet, dass wir die Wachstumsmentalität und positive Einstellung entwickeln, die unserer Rolle angemessen sind.


Der Wert unterschiedlicher Rollen im Unternehmen

Gute Führung ist unerlässlich, um Visionen zu entwickeln und Teams zu leiten. Ebenso wichtig sind jedoch diejenigen, die Entscheidungen umsetzen, neue Ideen entwickeln oder vermarkten, Prozesse hinterfragen und verfeinern, forschen, Probleme beheben, Risiken abwägen und bewerten, den erforderlichen Einsatz finanzieller Ressourcen sicherstellen oder für Stabilität sorgen – um nur einige Rollen zu nennen. So wie eine gut funktionierende Uhr auf die Harmonie ihrer Zahnräder angewiesen ist, lebt ein Unternehmen vom komplementären Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Persönlichkeiten und Kompetenzen. Keine von ihnen kann das Unternehmen ohne die anderen voranbringen. Keine von ihnen sollte sich weniger wertgeschätzt oder gebraucht fühlen. Eine der wichtigsten Eigenschaften einer begabten Führungskraft ist es, dies zu erkennen und die richtige Mischung von Mitarbeiter*innen auszuwählen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.


Wissen Sie genau, welcher Typ Sie sind, welche Tätigkeit am besten zu Ihren Fähigkeiten passt und wie Sie Ihre Stärken optimal präsentieren? Wenn Sie Ihre berufliche Situation betrachten: Sind Sie genau dort, wo Sie hingehören, oder gibt es eine innere Stimme, die Ihnen sagt, dass Sie mit etwas anderem glücklicher wären?


Die wichtigsten Persönlichkeitstypen

1. Begabte und innovative Schöpfer und Planer: Visionäre und Strategen spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft von Unternehmen. Ihre Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln, über den Tellerrand hinauszublicken und langfristige Pläne zu entwickeln, hilft Unternehmen, wettbewerbsfähig und relevant zu bleiben. Ihr Erfolg hängt jedoch von anderen ab, die ihre Ideen umsetzen und verfeinern können.


2. Zuverlässige und loyale Umsetzer: Sie bilden das Rückgrat jeder Organisation. Sie bringen Disziplin und Beständigkeit in den Betrieb. Ihre Stärke liegt in ihrer Verlässlichkeit, Arbeitsmoral und der Fähigkeit, Ideen in umsetzbare Pläne umzuwandeln. In einer Welt, in der Innovation gefeiert wird, sorgen Umsetzer dafür, dass Kreativität nicht nur ein Konzept bleibt, sondern sich in realen Ergebnissen niederschlägt.


3. Aufmerksame und präzise Analysten und Controller: Diese detailorientierten Personen sorgen dafür, dass Prozesse reibungslos ablaufen, Risiken minimiert werden und die Qualität hoch bleibt. Sie sorgen für die notwendige Übersicht, analysieren Daten und optimieren die Effizienz. Ohne ihren ausgeprägten Blick für Details hätten Unternehmen mit Inkonsistenzen und unvorhergesehenen Herausforderungen zu kämpfen.


Parallelen zu den vier Elementen

Die Natur teilt die Kraft des Gleichgewichts in die vier klassischen Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft ein, die von Astrologen aufgegriffen und den zwölf Tierkreiszeichen zugeordnet wurden. Diese Elemente spiegeln die unterschiedlichen Rollen wider, die Menschen im Geschäftsleben spielen:


• Erde (Umsetzer): Geerdet, zuverlässig und methodisch sorgen diese Menschen für Stabilität und Beständigkeit. Ihre pragmatische Herangehensweise sichert langfristigen Erfolg und nachhaltiges Wachstum.

• Feuer (Führungspersönlichkeiten):  Leidenschaftliche, energische und ehrgeizige Führungskräfte regen zum Handeln an und inspirieren andere. Sie sind die treibende Kraft hinter Transformation und Motivation.

• Wasser (Beobachter und Lenker):  Anpassungsfähig, flexibel und einfühlsam sorgen sie für Gleichgewicht und regulieren Systeme. Ihre analytische Denkweise ermöglicht es ihnen, komplexe Situationen souverän zu meistern.

• Luft (Innovatoren und Planer):  Visionär, dynamisch und intellektuell agil bringen sie frische Ideen und strategischen Weitblick in Organisationen ein und sorgen so für kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung.


Menschliche Archetypen und Rollen im Geschäftsleben

Tobias Becks vier Menschentypen – Hai, Delfin, Wal und Eule – bieten eine weitere aufschlussreiche Perspektive, durch die Menschen ihre Stärken erkennen und sie auf die stimmigsten Karrierewege ausrichten können. In der Gruppendynamik lassen sie sich wie folgt beschreiben:

• Haie – wettbewerbsorientiert und ehrgeizig (Feuer): Zielorientiert, durchsetzungsfähig und strategisch, gedeihen sie in anspruchsvollen Umgebungen, in denen schnelle Entscheidungen erforderlich sind. Sie denken schnell, und ihre Tage sind immer zu kurz für alles, was sie erreichen wollen. Sie werden ungeduldig, wenn Prozesse zu lange dauern.


• Delfine – kreativ und sozial (Luft): Begeistert, fantasievoll und spontan, gedeihen sie in der Kreativbranche, beim Netzwerken und bei der Ideenfindung. Als Organisatoren bringen sie ein Element von Verspieltheit und guter Laune mit. Manchmal fällt es ihnen schwer, konzentriert zu bleiben.


• Wale – mitfühlend und zuverlässig (Erde): Unterstützend, fürsorglich und teamorientiert, zeichnen sie sich durch Rollen aus, die Loyalität, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt erfordern. Sie möchten, dass sich alle im Unternehmen einbezogen und anerkannt fühlen. Mit Veränderungen tun sie sich eher schwer.


• Eulen – analytisch und detailorientiert (Wasser): Nachdenklich, sorgfältig und weise, eignen sich Eulen am besten für präzise Aufgaben wie Finanzen, Forschung und Qualitätskontrolle. Sie können hervorragend beobachten und zusammenfassen. Öffentliche Auftritte erachten sie oft als eine Herausforderung.


Wir sind hauptsächlich ein Archetyp und teilweise noch ein zweiter der vier. Manche, wie Delfine und Eulen, stehen auf der Temperamentsskala an entgegengesetzten Enden und sind in ein und derselben Person eher unvereinbar. Persönlich frage ich mich, welche Überlegungen Tobias Beck dazu veranlasst haben, genau diese vier scheinbar völlig zufälligen Vertreter des Tierreichs auszuwählen:

• drei, die im Wasser leben und weite Strecken zurücklegen; einer, der auf Bäumen sitzt und kurze Strecken fliegt.

• zwei Säugetiere, ein Fisch, ein Vogel.

• zwei (manchmal drei), die in Gruppen leben und jagen; einer, der allein lebt und jagt.

Falls Ihnen diese Auswahl an Raubtieren klar ist, wäre ich um eine Erklärung dankbar.


Selbstkompetenz durch die eigenen natürlichen Stärken erhöhen

Die Wahl des idealen Karrierewegs geht über die Anpassung an gesellschaftliche oder familiäre Erwartungen hinaus. Anstatt dem Druck oder der Versuchung nachzugeben, sollten wir uns, auch wenn es schwierig ist, eher fragen:

• Was war mein Traumberuf, als ich jung war?

• Welche Aktivitäten geben mir Energie, anstatt mich auszulaugen?

• Welche Art von Arbeit ermöglicht es mir, meine natürlichen Stärken und Talente zu entfalten?

• Welches Umfeld bringt das Beste in mir zum Vorschein?

• Entwickle ich mich eher weiter durch Zusammenarbeit, Wettbewerb, Innovation oder Struktur?

• Welchen Kommunikationsstil bevorzuge ich und wie reagieren andere darauf?


Indem wir unsere natürlichen Neigungen – ob in Führung, Umsetzung, Beobachtung oder Innovation – nutzen, leisten wir einen einzigartigen und bedeutsamen Beitrag für unseren Arbeitsplatz. Ein Unternehmen, das alle Rollen gleichermaßen wertschätzt, ist ein erfolgreiches Unternehmen!


Wenn Sie nach der Lektüre dieses Artikels plötzlich das Gefühl haben, dass Ihr aktueller Arbeitsort Ihnen nicht gerecht wird, dass Sie in Ihrem gegenwärtigen Beruf nie Erfüllung finden werden, oder dass Sie Ihre Berufswahl aus den falschen Gründen getroffen haben … dann ist es nie zu spät, eine Veränderung vorzunehmen und das zu tun, was Ihnen Erfüllung bringt!

von Tatjana Gaspar • 16. Oktober 2026
Es wird oft unterschätzt, dass Freiheit allein uns nicht produktiver macht. Sie macht uns verantwortlicher für unsere innere Führung.
von Tatjana Gaspar • 6. August 2026
Je knapper ein Gut wird, desto wertvoller wird es. Genau dasselbe beobachten wir heute bei den menschlichen Ressourcen.
grenzen-setzen-nein-sagen-als-business-skill
von Tatjana Gaspar • 14. Juli 2026
Wer von uns hat nicht schon einmal zu etwas Ja gesagt, obwohl sich innerlich alles dagegen gesträubt hat? Und sich danach über sich selbst geärgert?
von Tatjana Gaspar • 9. Juni 2026
Das halbleere oder halbvolle Glas beschreibt unser Weltbild und unser Mindset. Das Bewusstsein von Mangel oder Fülle geht noch weiter.
von Tatjana Gaspar • 2. Mai 2026
Self Leadership ist ein Wiedererkennungsmerkmal, das eng mit unseren Werten und Überzeugungen verbunden ist.
von Tatjana Gaspar • 5. März 2026
Es gibt diese Phasen im Leben, in denen sich alles leicht und positiv anfühlt. Wir nennen es Optimismus, Zuversicht oder Urvertrauen. Manchmal merken wir dabei nicht, dass wir eine rosa Brille tragen.
von Tatjana Gaspar • 30. November 2025
Jeder Übergang – groß oder klein – profitiert von einem bewussten Abschluss. Dafür brauchst du keine Kerzen, Symbole und Rituale im formalen Sinn, sondern Präsenz.
von Tatjana Gaspar • 27. Oktober 2025
Ablehnung gehört zum Leben wie Luft und Wasser. Obwohl wir wissen, dass es unvermeidbar ist, trifft es uns jedes Mal dort, wo es schmerzt. Aber warum eigentlich?
von Tatjana Gaspar • 28. September 2025
Was, wenn Scheitern kein Feind ist, kein Makel, sondern ein natürlicher Bestandteil des Lebens-Experiments?
von Tatjana Gaspar • 27. August 2025
Es gibt Gefühle, die uns inspirieren, motivieren und verbinden. Und es gibt Gefühle, die uns trennen, belasten und im schlimmsten Fall vergiften – subtil, aber wirkungsvoll. Zu diesen gehören Neid, Missgunst, Eifersucht und Schadenfreude. Begriffe, die oft synonym verwendet werden, in Wahrheit aber unterschiedliche Schattierungen derselben Grundhaltung widerspiegeln: dem Vergleich mit anderen Menschen und der Angst, selbst zu kurz zu kommen. Die feinen Unterschiede Neid bedeutet, dass man sich wünscht, das zu haben, was ein anderer besitzt – sei es Erfolg, Schönheit, Geld, Anerkennung, Freiheit oder Liebe. Der Neider empfindet einen Mangel im eigenen Leben, wenn er auf die Fülle des anderen schaut. Missgunst geht noch einen Schritt weiter: Hier genügt es nicht, dass man selbst das Fehlende haben möchte. Man möchte, dass der andere es nicht mehr hat. Missgunst zielt darauf ab, das Glück des anderen zu schmälern, anstatt das eigene Glück zu vergrößern. Eifersucht ist verwandt, hat aber eine besondere Färbung: Sie dreht sich meist um Beziehungen. Eifersüchtige fürchten, etwas Wertvolles – meist die Liebe oder Aufmerksamkeit eines Menschen – an jemand anderen zu verlieren. Sie erleben weniger ein Haben-Wollen als ein Nicht-Verlieren-Dürfen. Die Idee, dass Liebe oder Aufmerksamkeit geteilt werden kann verstehen sie nur schwer. Schadenfreude ist die dunkle Lust am Unglück des anderen. Sie tritt auf, wenn jemand scheitert, stürzt oder bloßgestellt wird und man dabei Genugtuung empfindet, weil der vermeintliche Abstand zwischen "ihm da oben" und "mir hier unten" plötzlich kleiner wird. Überspielen bis zum Abwinken Spannend ist: Viele Menschen sind sich bewusst, dass Neid, Missgunst oder Schadenfreude negativ wirken. Deshalb versuchen sie, diese Emotionen zu kaschieren mit übertriebener Freundlichkeit, mit ironischen Bemerkungen oder indem sie demonstrativ schweigen. Im Kern steckt dahinter die Angst, schwach, klein oder unaufrichtig zu wirken. Doch dieses Überspielen verleiht keine Souveränität und verändert nichts am Seelenzustand. Es lindert nicht, sondern verstärkt den inneren Konflikt: Mit dem Gefühl, nicht ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein fügt man der eigenen Seele am meisten Schaden zu. Kurzfristig mag es soziale Harmonie sichern, langfristig untergräbt es Beziehungen und das eigene Selbstwertgefühl. Man ist gefangen in einer Negativspirale, aus der man kaum herauskommt. Spieglein Spieglein an der Wand Wer stark von diesen Emotionen geprägt ist, lebt in einem inneren Mangelzustand. Typischerweise sind dies Menschen, die ihren eigenen Wert über äußere Vergleiche definieren. Sie fragen sich unbewusst: Bin ich genug? – und finden die Antwort nicht in sich selbst, sondern im Spiegelbild der anderen, ähnlich wie die böse Königin bei Schneewittchen. Die Wurzeln reichen tief: Psychologisch betrachtet deuten Neid, Missgunst und Eifersucht auf grosse Unsicherheit, geringen Selbstwert oder ein tief verankertes Gefühl von Ungerechtigkeit hin. Sie sind Ausdruck eines ungelösten Konflikts mit sich selbst. Biologisch betrachtet sind es Überlebensstrategien. Schon in frühen Gesellschaften galt: Wer weniger Ressourcen hat als der andere, könnte zurückfallen. Neid und Eifersucht waren Signale, dass man wachsam bleiben sollte. Sozial werden diese Gefühle durch Vergleiche verstärkt, heute mehr denn je. Social Media macht uns rund um die Uhr sichtbar. Für zutiefst unsichere, unerfüllte Menschen wirkt das Leben der anderen stets glänzender als das eigene. Von Neid zu Missgunst zu Hasskommentaren auf Social Media sind es dann nur wenige Schritte. Individuell entstehen solche Gefühle aus Erfahrungen in der Kindheit oder Jugend. Wer gelernt hat, Liebe oder Anerkennung seien knapp – entweder durch Verlust oder durch Bloßstellung - entwickelt leicht das Gefühl, immer zu kurz zu kommen. Welche Wirkung kann man erwarten? Auf den ersten Blick mag Neid eine treibende Kraft sein, ein Motor dafür, mehr erreichen zu wollen. Doch langfristig sind all diese Emotionen äusserst anstrengend für einen selbst und wirken sich destruktiv aus: Sie vergiften Beziehungen oder verhindern, dass man welche aufbaut, weil man anderen nichts gönnt. Sie sind förderlich dafür, dass man sich in eine systematisch ausgespielte Opferrolle hinein entwickelt. Sie blockieren unsere Kreativität, weil unser Blick ständig nach außen gerichtet ist. Sie verhindern Dankbarkeit und damit Zufriedenheit und Gelassenheit. Sie halten uns davon ab, unser eigenes Potenzial zu entfalten, weil wir in der selbstgestrickten Konkurrenzspirale gefangen sind. Die Unfähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren führt dazu, dass man oft kontraproduktive Entscheidungen für sich trifft, was die Unzufriedenheit noch steigert. Statt die eigene innere Stimme zu hören, vergleichen wir uns dauernd und verlieren dabei unsere Einzigartigkeit. Was setzen wir dem entgegen? Ganz beseitigen lassen sich diese Emotionen wohl nicht. Sie gehören zum Menschsein. Ihrem kalten Gift können wir aber Wärme, Mitgefühl, Dankbarkeit, Selbstliebe und Großzügigkeit entgegensetzen. Es braucht dazu die Fähigkeit, etwas zu gönnen; den Willen, ständige Vergleiche aus dem Repertoire zu streichen; Vertrauen in sich selbst und in andere aufzubauen; aber vor allem Mut, eigene Ziele zu definieren. Das erreicht man nicht einfach so. Es gehört dazu, es ehrlich zu wollen, bewusst zu entscheiden und sich mit aller Kraft und Überzeugung in den Prozess der Verhaltensänderung einzulassen – wohlwissend, dass es ein Marathon und kein Sprint wird. Am Ende geht es darum, Verantwortung für das eigene Innenleben zu übernehmen. Denn solange wir im Bann solcher Emotionen leben, bleiben wir Gefangene unserer eigenen Frustrationen. Erst wenn wir erkennen: Ich bin genug – so wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen, befreien wir uns aus diesem Käfig.