Auf die richtige Einstellung kommt es an

In der heutigen schnelllebigen und sich ständig weiterentwickelnden Welt wird Erfolg oft der Intelligenz, den Fähigkeiten und Ressourcen zugeschrieben. Viele Menschen betonen gerne die Anzahl der klugen Bücher, die sie gelesen, oder die zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen, die sie im Laufe ihres Lebens ergriffen haben. Beides ist sehr lobenswert und spricht für ihre Neugier und ihr Engagement für lebenslanges Lernen und Verbesserung. Einer der wichtigsten, aber oft übersehenen Faktoren für den persönlichen und beruflichen Erfolg ist jedoch die richtige Einstellung. Die Art und Weise, wie wir denken, Herausforderungen wahrnehmen und auf Rückschläge reagieren, spielt eine fundamentale Rolle dabei, welches Ergebnis wir am Ende erhalten. Die richtige Einstellung zu entwickeln ist entscheidend, bevor man sich auf eine Herausforderung oder einen Karrierewechsel einlässt, da sie den Grundstein für Belastbarkeit, Wachstum und langfristigen Erfolg legt.


Aber was ist die richtige Einstellung? Vision? Fokus? Willenskraft? Durchsetzungsvermögen? Eine Mischung aus all dem und mehr? Haben wir sie bereits, wenn wir geboren werden, oder können wir sie im Laufe der Zeit erlernen und trainieren? Wenn uns nie jemand sagt, was das richtige Mindset ist, und uns nicht zeigt, wie wir es sinnvoll einsetzen können, woher kommt dann unsere Motivation zur Leistung? Ist dieses Mindset eine Emotion, eine Energie oder eine bewusste Entscheidung, die wir in unserem Gehirn ein- und ausschalten können? Was sind Ihre Meinung und Erfahrung dazu?


Die Forschung hat gezeigt, dass die eigene Einstellung essentiell ist für die Bestimmung des Lebensverlaufs. Als Kinder haben die meisten von uns wahrscheinlich die Glaubenssätze übernommen, mit denen unsere Eltern oder Großeltern aufgewachsen sind und die sie uns vermittelt haben. Diese Glaubenssätze sind ein fester Bestandteil unserer frühen Erziehung und tief im Geist verwurzelt. Unser Verhalten und unsere Meinungen formen wir dann weiter, indem wir die verschiedenen Einflüsse innerhalb unseres jeweiligen sozialen und wirtschaftlichen Umfelds aufnehmen. Wenn wir erwachsen sind, bestimmen sie unsere Einstellung zu Arbeit, Karriere, Gesellschaft und Geld – um nur einige zu nennen.


Wenn ich mit Freunden oder Kollegen im deutschsprachigen Raum oder in Südeuropa spreche, kommen oft ähnliche Glaubenssätze aus unserer Kindheit zur Sprache, von denen wir nur schwer loskommen. Manche davon klingen vielleicht auch für Sie bekannt. Beispiele, die häufig auftauchen, sind:


• „Ohne Fleiß kein Preis“! – Es ist nicht überraschend, dass unsere Vorfahren, die Kriege und Not erlebten, davon überzeugt waren, dass nur Fleiß und harte Arbeit der wahre Weg zum Wohlstand sind. Sie kämpften darum, die ersten beiden Ebenen der Maslow’schen Pyramide zu sichern: Physiologische und Sicherheitsbedürfnisse. Nur, obschon man den ganzen Tag hart arbeitet, gibt es keine Garantie dafür, dass man das gewünschte Ergebnis erreicht. Heute haben wir alle fünf Ebenen der Maslow’schen Pyramide im Blick und unzählige Möglichkeiten, an unseren Talenten und unserer Persönlichkeit zu arbeiten, Pläne in größerem Masse zu schmieden und uns eine Vielzahl von Optionen für unser Leben vorzustellen. Fleißig zu sein reicht nicht aus, man muss mehr bieten als nur harte Arbeit. Dafür muss unser Geist lernen, über den Tellerrand hinauszuschauen!


• „Man muss sich mit kleinen Dingen zufriedengeben“! – Bescheidenheit ist eine Tugend, die in allen Religionen und Kulturen hochgepriesen wird. Sie kann aber auch als Mangel an Ehrgeiz verstanden werden. Während man in einem traditionell christlichen Umfeld Ehrgeiz bei Männern bewunderte und tolerierte, wurde von Frauen oder Mädchen andererseits Bescheidenheit und Genügsamkeit erwartet, nicht Ehrgeiz. Für diejenigen (Frauen und Männer), die heute in ihrer beruflichen oder kreativen Tätigkeit erfolgreich sein wollen, ist eine solche Bescheidenheit jedoch ein echter Killer. Wenn wir uns nicht erlauben, etwas Größeres und Besseres zu wollen, unsere Träume zu visualisieren und die Ziele zu verfolgen, die uns ihnen näherbringen, dann sollten wir uns nicht wundern, wenn wir nie etwas Nennenswertes erreichen. So entstehen kein Stolz und keine Freude! Da können wir den oberen beiden Ebenen der Maslow’schen Pyramide – Wertschätzungs- und Selbstverwirklichungsbedürfnisse – Adieu sagen.


• „Du darfst nicht auffallen“! – In meinem Fall, da ich aus einem anderen Land stammte, wurde mir als Kind eingeredet, es sei von Vorteil, wenn man sich so unauffällig wie möglich verhält. Während meine Erziehung mich scheinbar dazu ermutigte, meine eigene Meinung zu entwickeln, wurde selbstverständlich erwartet, dass ich sie respektvoll zurückhielt, insbesondere wenn sie von der Meinung einer älteren Person mit mehr Macht abwich. Meine Schulzeit bestand aus klassischem Frontalunterricht; eine Frage zu stellen war normalerweise riskant, es sei denn, ich wollte es auf die schnippische Antwort eines meiner Lehrer ankommen lassen; Debatten wurden weder gefördert noch waren sie Teil des Lehrplans. All dies ist das genaue Gegenteil von dem, was nötig ist, um in der heutigen vielfältigen Welt erfolgreich zu sein: Wir dürfen sichtbar, laut und selbstbewusst sein, unabhängig von unserer Herkunft und unserem Aussehen. Wir müssen unser Alleinstellungsmerkmal entwickeln, eine Menge Fragen stellen, aktiv das konstruktive Feedback anderer einholen, uns klar von unseren Mitbewerbern abheben und alle uns zur Verfügung stehenden digitalen Mittel nutzen, um unser Profil aufzupolieren und aus der Masse herauszustechen!


• „Es gibt wichtigere Dinge als Geld“! – Das bedeutete in meiner Kindheit, dass ich lieber meine inneren Werte pflegen sollte, als von materiellen Dingen zu träumen. Zu zeigen, dass man Geld hat (mehr Geld als andere), galt als unangemessen, fast unanständig. Andere wissen zu lassen, dass man sich etwas Teures nicht leisten konnte, war nahezu undenkbar, da man sich dafür fast schämen musste. Daher war Geld ein schwieriges Thema. Über das Geld anderer zu sprechen, konnte bedeuten, dass man neidisch ist. Über das eigene Geld zu sprechen, konnte als Angeberei ausgelegt werden. Beides sind keine guten christlichen Tugenden. Anderen Geld zu leihen bedeutete, ihnen in einer Notlage zu helfen und wurde als Großzügigkeit verstanden. Selbst Geld zu borgen hingegen konnte alle möglichen Fragen aufwerfen, warum man nicht genügend davon hatte. Es wurde erwartet, dass man mit dem eigenen Geld über die Runden kam. Heutzutage, wo wir alle Hypotheken, Firmenkredite, Kreditkarten, Leasingverträge usw. besitzen, würde diese altmodische Denkweise keinen Moment lang Bestand haben. Erfolg ist eng mit Geld verbunden, nach welchem wir alle streben. Offen zu zeigen, dass wir Geld besitzen, ist keine Schande mehr. Es ermöglicht uns, zu investieren, aufzubauen, zu vermehren, auszugeben, zu genießen, zu spenden und andere zu inspirieren. Und siehe da: Geld führte dazu, dass eine ganze Reihe neuer Werte geschaffen wurden und brachte uns an die Spitze der Maslow’schen Pyramide!


Je nachdem, was wir im Leben erreichen wollen, ist die ursprüngliche Denkweise mit althergebrachten Glaubenssätzen wahrscheinlich nicht mehr effektiv und unterstützend. Der Hauptgrund dafür ist, dass solche Überzeugungen statisch sind. Irgendwann werden sie unzureichend und unproduktiv. Mit anderen Worten: Sie haben ein Verfallsdatum in unserer Welt, in der es ständig Veränderungen gibt und Geschäftsmöglichkeiten allgegenwärtig sind. Unser Mindset ist wie ein Muskel: Er muss sich bewegen, um flexibel zu bleiben.


Bevor Sie ein neues Ziel verfolgen oder den Beruf wechseln, ist es wichtig, die eigene Denkweise sorgfältig zu beurteilen. Unsere Überzeugungen und Einstellungen prägen unser Handeln, und ohne den richtigen mentalen Rahmen können selbst die ehrgeizigsten Pläne scheitern.


Methoden wie man von einer negativen zu einer positiven Denkweise wechselt

Hier sind einige bewährte Methoden, wie Sie den Wechsel von einer negativen zu einer positiven Denkweise schaffen:


1. Selbstbewusstsein und Gedankenmonitoring

Die Entwicklung des richtigen Mindsets ist kein Prozess, der über Nacht passiert; er erfordert bewusste Anstrengung und Training. Einer der ersten Schritte zur Änderung einer Denkweise besteht darin, sich bewusst zu werden über negative Denkmuster. Wenn wir einschränkende Glaubenssätze erkennen und sie durch ermächtigende Gedanken ersetzen, kann dies einen erheblichen Unterschied in unserer Gesamtperspektive bewirken.


2. Dankbarkeit praktizieren in unserer Oase des mentalen Wohlbefindens

Dankbarkeit steigert nachweislich die positiven Emotionen und das allgemeine Wohlbefinden. Wir können Dankbarkeit auf verschiedene Weise leben. Am besten wählen Sie dazu eine ruhige Umgebung. Wenn wir die Natur und leise Musik genießen oder eine Aktivität ausüben, die uns ein gutes Gefühl gibt, wie Spazierengehen, Malen, Singen, Tanzen, Yoga usw., fällt es uns leichter zu erkennen, wofür wir dankbar sein können. Ein Dankbarkeitstagebuch zu führen und regelmäßig über positive Aspekte unseres Lebens nachzudenken, kann dabei helfen, unseren Fokus von Negativität auf Wertschätzung zu verlagern.


3. Visualisierung und Affirmationen

Bei Visualisierungstechniken geht es darum, sich Erfolg und positive Ergebnisse in der Zukunft mental vorzustellen. Wenn wir uns selbst in unserer Vorstellung nicht am Anfang unserer Reise sehen, sondern in dem Moment, wo wir unser Ziel erreichen, ist dies förderlich für den mentalen Raum, in dem unser Wachstum stattfinden kann. Affirmationen oder positive Selbstaussagen verstärken eine Wachstumsmentalität, indem sie Selbstzweifel durch Selbstvertrauen ersetzen.


4. Uns mit positiven Einflüssen umgeben

Die Menschen, mit denen wir interagieren, beeinflussen unseren Mindset stark. Wenn wir uns mit jenen umgeben, die unterstützend wirken und wachstumsorientiert sind, fördert dies unsere Positivität und Belastbarkeit. Das bedeutet auch, dass wir offen für Feedback sein müssen. Konstruktive Kritik von Menschen, denen wir vertrauen und die wir bewundern, ist eines der wirksamsten Mittel zur eigenen Verbesserung. Menschen mit der richtigen Einstellung nutzen Feedback als wertvolles Geschenk, um ihre Fähigkeiten und Strategien zu verfeinern.


5. Entwicklung einer Wachstumsmentalität

Eine Person mit einer starken Mentalität konzentriert sich auf Lösungen, anstatt sich mit Problemen zu beschäftigen. Sie behält selbst in schwierigen Situationen ihren Optimismus. Eine Wachstumsmentalität zu entwickeln, bedeutet zu glauben, dass Fähigkeiten und Intelligenz durch Anstrengung und Lernen weiterentwickelt werden können und dass sie dazu dienen, Herausforderungen zu bewältigen. Diese Perspektive hilft uns dabei, uns kontinuierlich zu verbessern und verhindert, dass wir stagnieren.


6. Achtsamkeit und Stressmanagement gegen Versagensängste

Scheitern ist ein unvermeidlicher Teil jedes Unterfangens, aber die richtige Mentalität ermöglicht es uns, Scheitern als Lernerfahrung, nicht als dauerhafte Niederlage zu sehen, und engagiert und motiviert zu bleiben. Auf diese Weise können wir uns aufraffen, es erneut versuchen oder uns anders ausrichten. Achtsamkeitspraktiken wie Meditation, tiefes Atmen und Stressmanagementtechniken helfen dabei, Klarheit zu bewahren, unseren Fokus zu schärfen, Ängste abzubauen und das innere Gleichgewicht zu bewahren, bei dem Herz, Hirn und Hand im Einklang funktionieren.


7. Ins Tun kommen und Veränderungen akzeptieren

Das richtige Mindset erschafft eine Bühne, auf der Sinnhaftigkeit entstehen und sich Selbstmotivation entfalten kann. Das bedeutet, dass wir trotz externer Rückschläge oder Veränderungen unseren Zielen treu bleiben. Anstatt auf den perfekten Moment zu warten, sind wir entschlossen, kleine Schritte in Richtung unserer Ziele zu unternehmen, Stück für Stück unser Selbstvertrauen aufzubauen und eine proaktive Haltung zu leben. Jeder mutige Schritt nach vorne trägt dazu bei, unsere positive Einstellung zu stärken.


Fazit

Eine negative oder starre Einstellung kann zu Selbstzweifeln, Angst vor Niederlagen und Risikoscheu führen. Wenn wir uns auf Einschränkungen statt auf Möglichkeiten konzentrieren, können wir unser volles Potenzial oft nicht ausschöpfen. Umgekehrt ermöglicht uns eine positive und wachstumsorientierte Mentalität, Herausforderungen als Lernmöglichkeiten und nicht als unüberwindbare Hindernisse zu betrachten. Die richtige Einstellung hilft uns dabei, Rückschläge zu bewältigen und Motivation, Ausdauer und die Fähigkeit zur Anpassung an unvorhergesehene Umstände aufrechtzuerhalten. All das ist entscheidend, um berufliche und persönliche Veränderungen erfolgreich zu meistern. Durch bewusste Anstrengung und die Anwendung effektiver Techniken zum Erlernen einer neuen Denkweise kann jeder seine Einstellung ändern und den Weg für langfristige Erfolge ebnen.


Neue Erkenntnisse in der Quantenphysik zeigen, dass unser Potenzial keine Grenzen kennt. Die Fähigkeit, von überholten Glaubenssätzen, die uns behindern, zu einer neuen Denkweise überzugehen, öffnet die Tür zu einem Ozean an unerwarteten Möglichkeiten.

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Es gibt Gefühle, die uns inspirieren, motivieren und verbinden. Und es gibt Gefühle, die uns trennen, belasten und im schlimmsten Fall vergiften – subtil, aber wirkungsvoll. Zu diesen gehören Neid, Missgunst, Eifersucht und Schadenfreude. Begriffe, die oft synonym verwendet werden, in Wahrheit aber unterschiedliche Schattierungen derselben Grundhaltung widerspiegeln: dem Vergleich mit anderen Menschen und der Angst, selbst zu kurz zu kommen. Die feinen Unterschiede Neid bedeutet, dass man sich wünscht, das zu haben, was ein anderer besitzt – sei es Erfolg, Schönheit, Geld, Anerkennung, Freiheit oder Liebe. Der Neider empfindet einen Mangel im eigenen Leben, wenn er auf die Fülle des anderen schaut. Missgunst geht noch einen Schritt weiter: Hier genügt es nicht, dass man selbst das Fehlende haben möchte. Man möchte, dass der andere es nicht mehr hat. Missgunst zielt darauf ab, das Glück des anderen zu schmälern, anstatt das eigene Glück zu vergrößern. Eifersucht ist verwandt, hat aber eine besondere Färbung: Sie dreht sich meist um Beziehungen. Eifersüchtige fürchten, etwas Wertvolles – meist die Liebe oder Aufmerksamkeit eines Menschen – an jemand anderen zu verlieren. Sie erleben weniger ein Haben-Wollen als ein Nicht-Verlieren-Dürfen. Die Idee, dass Liebe oder Aufmerksamkeit geteilt werden kann verstehen sie nur schwer. Schadenfreude ist die dunkle Lust am Unglück des anderen. Sie tritt auf, wenn jemand scheitert, stürzt oder bloßgestellt wird und man dabei Genugtuung empfindet, weil der vermeintliche Abstand zwischen "ihm da oben" und "mir hier unten" plötzlich kleiner wird. Überspielen bis zum Abwinken Spannend ist: Viele Menschen sind sich bewusst, dass Neid, Missgunst oder Schadenfreude negativ wirken. Deshalb versuchen sie, diese Emotionen zu kaschieren mit übertriebener Freundlichkeit, mit ironischen Bemerkungen oder indem sie demonstrativ schweigen. Im Kern steckt dahinter die Angst, schwach, klein oder unaufrichtig zu wirken. Doch dieses Überspielen verleiht keine Souveränität und verändert nichts am Seelenzustand. Es lindert nicht, sondern verstärkt den inneren Konflikt: Mit dem Gefühl, nicht ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein fügt man der eigenen Seele am meisten Schaden zu. Kurzfristig mag es soziale Harmonie sichern, langfristig untergräbt es Beziehungen und das eigene Selbstwertgefühl. Man ist gefangen in einer Negativspirale, aus der man kaum herauskommt. Spieglein Spieglein an der Wand Wer stark von diesen Emotionen geprägt ist, lebt in einem inneren Mangelzustand. Typischerweise sind dies Menschen, die ihren eigenen Wert über äußere Vergleiche definieren. Sie fragen sich unbewusst: Bin ich genug? – und finden die Antwort nicht in sich selbst, sondern im Spiegelbild der anderen, ähnlich wie die böse Königin bei Schneewittchen. Die Wurzeln reichen tief: Psychologisch betrachtet deuten Neid, Missgunst und Eifersucht auf grosse Unsicherheit, geringen Selbstwert oder ein tief verankertes Gefühl von Ungerechtigkeit hin. Sie sind Ausdruck eines ungelösten Konflikts mit sich selbst. Biologisch betrachtet sind es Überlebensstrategien. Schon in frühen Gesellschaften galt: Wer weniger Ressourcen hat als der andere, könnte zurückfallen. Neid und Eifersucht waren Signale, dass man wachsam bleiben sollte. Sozial werden diese Gefühle durch Vergleiche verstärkt, heute mehr denn je. Social Media macht uns rund um die Uhr sichtbar. Für zutiefst unsichere, unerfüllte Menschen wirkt das Leben der anderen stets glänzender als das eigene. Von Neid zu Missgunst zu Hasskommentaren auf Social Media sind es dann nur wenige Schritte. Individuell entstehen solche Gefühle aus Erfahrungen in der Kindheit oder Jugend. Wer gelernt hat, Liebe oder Anerkennung seien knapp – entweder durch Verlust oder durch Bloßstellung - entwickelt leicht das Gefühl, immer zu kurz zu kommen. Welche Wirkung kann man erwarten? Auf den ersten Blick mag Neid eine treibende Kraft sein, ein Motor dafür, mehr erreichen zu wollen. Doch langfristig sind all diese Emotionen äusserst anstrengend für einen selbst und wirken sich destruktiv aus: Sie vergiften Beziehungen oder verhindern, dass man welche aufbaut, weil man anderen nichts gönnt. Sie sind förderlich dafür, dass man sich in eine systematisch ausgespielte Opferrolle hinein entwickelt. Sie blockieren unsere Kreativität, weil unser Blick ständig nach außen gerichtet ist. Sie verhindern Dankbarkeit und damit Zufriedenheit und Gelassenheit. Sie halten uns davon ab, unser eigenes Potenzial zu entfalten, weil wir in der selbstgestrickten Konkurrenzspirale gefangen sind. Die Unfähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren führt dazu, dass man oft kontraproduktive Entscheidungen für sich trifft, was die Unzufriedenheit noch steigert. Statt die eigene innere Stimme zu hören, vergleichen wir uns dauernd und verlieren dabei unsere Einzigartigkeit. Was setzen wir dem entgegen? Ganz beseitigen lassen sich diese Emotionen wohl nicht. Sie gehören zum Menschsein. Ihrem kalten Gift können wir aber Wärme, Mitgefühl, Dankbarkeit, Selbstliebe und Großzügigkeit entgegensetzen. Es braucht dazu die Fähigkeit, etwas zu gönnen; den Willen, ständige Vergleiche aus dem Repertoire zu streichen; Vertrauen in sich selbst und in andere aufzubauen; aber vor allem Mut, eigene Ziele zu definieren. Das erreicht man nicht einfach so. Es gehört dazu, es ehrlich zu wollen, bewusst zu entscheiden und sich mit aller Kraft und Überzeugung in den Prozess der Verhaltensänderung einzulassen – wohlwissend, dass es ein Marathon und kein Sprint wird. Am Ende geht es darum, Verantwortung für das eigene Innenleben zu übernehmen. Denn solange wir im Bann solcher Emotionen leben, bleiben wir Gefangene unserer eigenen Frustrationen. Erst wenn wir erkennen: Ich bin genug – so wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen, befreien wir uns aus diesem Käfig.
von Tatjana Gaspar 20. Juli 2025
Wenn wir das Wort Champion hören, denken viele von uns sofort an Olympia-Athlet:innen, Goldmedaillen oder Standing Ovations. In unserer Gesellschaft wird Champion-Sein oft gleichgesetzt mit: der oder die Beste sein, Nummer Eins sein, gewinnen um jeden Preis. Doch was, wenn wir das völlig falsch verstehen? Was, wenn die Haltung eines Champions gar nichts mit Siegertreppchen zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Mut, den eigenen Weg zu gehen, den persönlichen Erfolg selbst zu definieren und sich unabhängig von der Meinung anderer treu zu bleiben? Genau darum geht es mir hier: Nicht um Glanz und Ruhm, sondern darum, innerlich gefestigt und authentisch zu leben und zu handeln; die Einstellung und Haltung zu haben, die es einem ermöglicht, über sich hinauszuwachsen. Champions werden nicht geboren – sie werden geformt Die Haltung eines Champions - die Franzosen haben fairerweise die weibliche Form Championne kreiert - ist keine exklusive Eigenschaft für Spitzenleistungssportler:innen. Sie steht jedem Menschen offen, der sich entscheidet, sie zu kultivieren: Lehrer:innen, Unternehmer:innen, Künstler:innen, Eltern, Aktivist:innen, Gestalter:innen. Du brauchst keine Medaille, um ein Champion zu sein. Was du brauchst, ist Überzeugung und Willen. Das Mindset eines echten Champions zu haben heisst, zutiefst zu glauben, dass es vollkommen in Ordnung ist – ja sogar notwendig – die eigenen Träume und Ziele in deinem individuellen Tempo und auf deine eigene Art zu verfolgen. Das steht im starken Kontrast zu unserer beschleunigten Leistungskultur, in der „schneller, höher, weiter“ zum Maßstab gemacht wird. Doch ein Champion weiß: Entwicklung braucht Zeit. Visionen brauchen Raum. Wege sind selten gerade. Bedingungen sind nicht immer ideal. Und die Meinung anderer? Ist nicht dein Kompass – deine Werte sind es! Es geht um Resilienz, nicht nur um Resultate Ein zentrales Element der Siegermentalität ist Resilienz im Umgang mit Rückschlägen. Champions vermeiden Misserfolge nicht – sie integrieren sie. Sie ignorieren Schmerz nicht – sie lernen daraus. Stell dir vor, die Nummer 1 im Welttennis war einst die Nummer 1000. Und lange davor die Nummer 5000. Er oder sie hat Jahre gebraucht, um die Nummer 1 zu werden. Würden wir anders über sie denken, wenn sie die Nummer 11 oder 37 oder 125 geblieben wären? Wir würden immer noch denken, dass sie die Mentalität von Champions haben. Denn es ist der Wille, der in unseren Augen den Unterschied macht. Die meisten von uns werden niemals etwas erreichen, das diesem Resultat nahekommt. Aber wir können dafür etwas anderes erreichen, was wir uns vornehmen. Was uns dabei als Inspiration dienen kann, sind ihre Einstellung, ihr Mut und ihr Durchhaltevermögen. Ein Leben mit der Einstellugn eines Champions bedeutet, dass du dir erlaubst, Fehler zu machen, ohne dich selbst dafür zu schämen. Es bedeutet, Momente von Verlust oder Zweifel nicht als Scheitern zu werten, sondern als Chancen und Wachstumsschritte auf deinem Weg der Weiterentwicklung. Oft ist das Mutigste, was ein Mensch tun kann, einfach weiterzumachen, auch wenn niemand applaudiert. Genau das ist Siegermentalität. Dabei bist du nur dir selbst gegenüber Rechenschaft schuldig. Dein Traum, deine Strategie, dein Umfeld Zur Haltung eines Champions gehört auch, das passende Umfeld zu schaffen, das dich trägt und unterstützt, in dem deine Persönlichkeit wachsen und sich entfalten kann, egal wie alt du bist. Champions arbeiten nicht nur hart; sie arbeiten intelligent. Sie stellen sich Fragen wie: • Was brauche ich, um wirklich aufzublühen? • Wer gibt mir Energie und wessen Anwesenheit wirkt sich positiv auf meinen Gemütszustand aus? • Welche Strukturen helfen mir, nachhaltig dranzubleiben? Manchmal bedeutet das, sich vom Perfektionismus zu verabschieden. Oder vom dauernden Hetzen zur fokussierten Tiefenarbeit zu wechseln. Oder sich feste Zeitfenster pro Woche zu reservieren, um an der eigenen Idee zu arbeiten, obschon vielleicht niemand zuschaut oder dich motiviert. Gerade für Selbständige, Kreative und Gründer:innen ist das entscheidend. Ein Startup ist nicht nur ein Geschäftsmodell: Es ist ein Akt des Selbstvertrauens. Sich für die eigene Idee zu entscheiden, auch ohne Garantien, dazu gehört die Einstellung eines Champions. Kleine Schritte, starke Wurzeln Die Haltung eines Champions zu haben ist Teil des Prozesses der Selbstermächtigung. Du stärkst und förderst deine Selbstkompetenz. Das geschieht nicht als radikale Veränderung über Nacht, sondern braucht langfristig Klarheit, Konsistenz und Mut. Es geht darum, kontinuierlich deine Fähigkeiten zu stärken, deinen Weg zu reflektieren und deine Handlungen mit deinem inneren Antrieb in Einklang zu bringen. Du musst nicht die oder der Beste nach absolutem Massstab sein, denn es geht nicht ums Werten und Bewerten, obwohl es grundsätzlich positiv ist, wenn du dir hohe Ziele setzt und hohe Ansprüche an dich hast. Aber wichtiger scheint mir, dass du bereit bist, immer wieder von Neuem loszugehen, ein bisschen weiter sein zu wollen als gestern und im Einklang mit deinem Warum. Ein Champion für andere sein Ein echter Champion steht nicht alleine da und vergisst nie, dass seine Stärke auch anderen dienen kann. Zur Siegermentalität gehört es, für andere da zu sein, sie zu ermutigen und zu stärken, wenn sie es brauchen. Das kann bedeuten, als Mentorin eine jüngere Kollegin zu fördern; jemanden zu bestärken, der an sich zweifelt; oder einfach dem Herzensprojekt eines Freundes mit ehrlicher Offenheit Raum zu geben. Wenn wir uns so für andere Menschen einsetzen, erinnern wir uns auch an unsere eigenen Werte. Wir zeigen, was möglich ist und tragen dazu bei, eine Kultur zu schaffen, in der Wachstum nicht bewertet, sondern gefeiert wird. Manchmal bedeutet Champion-Sein nicht, selbst im Rampenlicht zu stehen, sondern das Licht auf andere zu richten. Und genau dadurch wirst du Teil von etwas Größerem als dein individueller Erfolg: Du wirst Teil einer Bewegung von Menschen, die sich gegenseitig erheben.
von Tatjana Gaspar 19. Juni 2025
Wenn wir über Führung sprechen, stellen wir uns meist jemanden vor, der selbstbewusst und überzeugend vorn im Raum steht und andere zu einem gemeinsamen Ziel hinführt. Was wir jedoch oft übersehen, ist die stille, innere Vorarbeit, die dies überhaupt ermöglicht: Selbstführung! Lange bevor eine Führungskraft ein Team inspiriert, muss sie lernen, sich selbst zu inspirieren. Lange bevor sie Vertrauen gewinnt, muss sie sich selbst vertrauen. Dieser feine Unterschied unterscheidet wahre Führungspersönlichkeiten von denen, die lediglich einen Titel oder eine Position innehaben. Ich war schon immer neugierig, wo Führung endet und Selbstführung beginnt und wie das Beherrschen von beidem das Geheimnis eines authentischen, nachhaltigen Einflusses in allen Lebensbereichen ist. Bei authentischer Selbstführung geht es darum, unsere inneren Werte mit unserem Handeln in Einklang zu bringen, um echt und wirksam zu führen. Führung und Selbstführung sind wie zwei Seiten derselben Medaille: Die eine ist nach innen, die andere nach außen gerichtet. Während Führung darauf abzielt, andere zu beeinflussen, zu leiten und ihnen zu ermöglichen, eine gemeinsame Vision zu verwirklichen, geht es bei Selbstführung darum, die eigene Denkweise, das eigene Handeln und die eigene Entwicklung so zu steuern, dass dies effektiv gelingt. Der Hauptunterschied: wie und was beeinflussen wir? • Selbstführung ist selbstgesteuerte Einflussnahme: Wir führen uns selbst zu Klarheit, Disziplin, Mut und Ausrichtung. • Führung ist die Erweiterung desselben Einflusses: So inspirieren und mobilisieren wir andere. Die Schwelle zwischen beiden liegt genau an diesem Punkt der Erweiterung: Wenn unsere interne Steuerung sichtbar und ansteckend wird und sich von rein persönlicher Disziplin in eine zwischenmenschliche Kraft verwandelt, die einen nachhaltigen Einfluss auf andere hat. Warum sprechen wir selten von „einer guten Selbstführung“? Dies ist im beruflichen Kontext vielerorts ein kultureller blinder Fleck. Wir loben „großartige Führungskräfte“, weil ihr Einfluss sichtbar ist: Teams gedeihen, Visionen werden verwirklicht, die Leistung verbessert sich und Wachstum findet statt. Selbstführung hingegen ist privat und meist unsichtbar. Man geht davon aus, dass jeder, der andere führen möchte, bereits die Kunst der guten Selbstführung beherrscht. Doch die Realität zeigt, dass dies oft nicht der Fall ist, insbesondere wenn Selbstüberschätzung und mangelnde Selbstreflexion im Spiel sind. Tatsächlich ist mangelnde Selbstführung das Zeichen einer unsicheren, narzisstischen oder chaotischen Persönlichkeit und eine der verborgenen Ursachen für das, was wir als gescheiterte Führung empfinden? Im Wesentlichen entstehen dadurch folgende drei Situationen: • Inkonsistentes Verhalten untergräbt das Vertrauen. • Unkontrolliertes Ego führt zu Machtkämpfen. • Mangelnde Selbstdisziplin erzeugt Chaos. Da Selbstführung ein innerer Prozess ist, fehlen uns Sprache und Rituale, um sie öffentlich zu feiern. Es ist wie mit den Wurzeln eines Baumes: Wir bewundern die Krone, vergessen aber, was sie überhaupt ermöglicht, nämlich die Arbeit der Wurzeln. Eine moderne Perspektive Im modernen Coaching und in der Persönlichkeitsentwicklung wird Selbstführung zunehmend als Kernkompetenz anerkannt und nicht lediglich als Selbstverständlichkeit. So betonen Vordenker zunehmend Eigenschaften wie emotionale Regulierung, Selbstmotivation und Resilienz als wichtige Kennzeichen reifer Führung. Selbstführung ist der stille Motor in uns; Führung ist das sichtbare Vehikel. Je stärker der Motor, je reibungsloser er läuft, desto nachhaltiger und müheloser gestaltet sich die Reise. Kurz gesagt: Wir können andere nur so tiefgreifend führen, wie wir uns selbst führen. Fünf grundlegende, aber wirkungsvolle Aspekte für eine authentische (Selbst-)Führung: 1. Selbstbewusstsein: Das Verständnis und die Anerkennung unserer Stärken, Schwächen, Emotionen und Werte ist der Grundstein für Authentizität. Ehrliche Selbstbetrachtung trägt dazu bei, dass unsere Entscheidungen und unser Verhalten mit unserem wahren Ich übereinstimmen. 2. Integrität: Konsequentes Handeln nach unseren Grundprinzipien schafft Vertrauen – sowohl bei uns selbst als auch bei anderen. Wenn unsere Taten unseren Worten entsprechen, erschaffen wir uns den Ruf von Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. 3. Verantwortlichkeit: Die volle Verantwortung für unser Handeln, auch für Fehler, zu übernehmen, ist unerlässlich. Verantwortung zu übernehmen zeigt, dass wir uns für Wachstum, Lernen und Transparenz einsetzen. 4. Emotionale Intelligenz: Das Erkennen und Beherrschen der eigenen Emotionen sowie die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, schaffen bedeutungsvolle Verbindungen. Dieses Bewusstsein fördert authentische Interaktionen und hilft uns, unseren Führungsstil an unterschiedliche Situationen anzupassen. 5. Verletzlichkeit: Unsere Führung ist verständlich, wenn wir offen mit Unsicherheiten und Unvollkommenheiten umgehen. Das Akzeptieren der eigenen Verletzlichkeit ist förderlich für tiefere Beziehungen und für eine Kultur des Vertrauens und der kontinuierlichen Verbesserung. All diese Aspekte zusammen helfen uns, authentisch zu führen und schaffen eine solide Grundlage für persönlichen und beruflichen Erfolg. Fazit Im Zentrum jeder inspirierenden Führungskraft steht die stille Kraft der Selbstführung. Es ist leicht, diejenigen zu feiern, die Teams führen und Organisationen transformieren, doch hinter jeder kühnen Entscheidung und jeder mutigen Vision steht eine Person, die sich zunächst selbst führt. Wir sagen vielleicht nicht oft: „Was für eine großartige Selbstführung!“, doch ist diese Haltung das, was authentische Führung ausmacht. Je bewusster wir unsere Selbstführung kultivieren – durch Selbsterkenntnis, Integrität, Verantwortungsbewusstsein, emotionale Intelligenz und den Mut, verletzlich zu sein – desto authentischer und nachhaltiger wird unser Einfluss. Sehen wir das also nicht als selbstverständlich an! Pflegen wir es täglich: Bleiben wir unseren Werten treu, setzen wir uns höhere Maßstäbe, erkennen und wertschätzen wir unsere Emotionen und trauen wir uns, unser wahres Ich zu zeigen! Denn wenn wir uns selbst mit Klarheit und Mut führen, inspirieren wir ganz natürlich und mühelos andere, mit uns aufzusteigen. Und in einer Welt, die sich nach immer mehr echter, menschenzentrierter Führung sehnt, beginnt wahrer Wandel genau dort: bei uns selbst.